Unter Druck(grafik)
Eine Ausstellung der Klasse für Zeichnung und Druckgrafik, als Teil des Angewandte Festivals 1.7 – 4.7. 2026. Kuratiert von Flora Schmid und Nikolaj Macko.
Teilnehmende KünstlerInnen: Anna Marino (Erasmusstudentin), Aurora Schindler, Anna Kalt, Andrea Vairelles, Beth Sorby (Erasmusstudentin), Carli Baasel, Diana Sych, Flora Schmid, Fuko Katsuda, Janka Kočíšek, Julian Kadrnoschka, Klara Hofinger, Karina Kwapil, Laurens Seemann, Mataz Al Kerdy, Melissa Leicht, Nikolaus Kohout (Gastsemesterstudent), Nikolaj Macko, Stefanie Krispin, Timotej Kosmel, Timo Pfeifer, Vera Kügel, Vivi Vinjarova und ein Projekt von Anya Triestram (High Lights).
Zeichnen, das bedeutet, ganz nah zu sein. Die Oberfläche sehen, die Strukur fühlen: Manchmal rau, manchmal glatt. Die Hand bewegt sich, wenn eine Linie gezeichnet wird. Ein intimer Dialog zwischen dem Zeichnen, der Zeichnung, zwischen dem, was dazwischen passiert. Es braucht nicht viel, um ins Gespräch zu kommen.
Die Druckgrafik braucht viel: Maschinen, Werkzeuge, Erfahrung.
Es gibt immer einen Druckstock, welcher auf unterschiedlichen Wegen mit verschiedenen Werkzeugen bearbeitet wird und das Künstlerische trägt. Dann wird gedruckt, für einen Moment löst sich das Bild von dem, was bisher geschaffen wurde. Die Verantwortung verteilt sich auf das Papier, den Druckstock, die Presse, die Technik. Kurz bleibt verborgen, was sich am Ende als das Bild zeigen wird – es ist der Moment des Abdrucks.
Zeichnen, das bedeutet Beobachten, Festhalten, Vorstellungen aufs Blatt bringen. Mal mit feinen, dicken, festen, sanften, experimentellen und ganz gezielten Strichen. Zeichnen ist unmittelbar, kann geplant oder spontan sein, von Zufälligkeit geleitet oder ganz bewusst. Zeichnen, das bedeutet immer auch ein bisschen festzuhalten, wer man ist, und wie die Welt gesehen wird. Markieren, dass da jemand war, dass etwas gezeichnet wurde, das, was
hier auf dem Blatt zu sehen ist. Die Zeichnung bleibt länger als der Moment, ist nicht so abhängig von der Zeit, und doch verblasst sie nach und nach. Zeichnen, das ist ein ständiges Sich-Entscheiden, von einem zum anderen hangeln, einen Strich nach dem anderen setzen. Und am Ende, ist da ein Bild.
Und dann gibt es viele Drucke von einem Motiv. Eine Wiederholung, die nie ganz dieselbe ist. Ein Bild, das sich vervielfältigt und dabei verändert. Jeder Abdruck basiert auf dem gleichen Vorbild, und doch ist es nicht gleich.
Mehr Farbe, weniger Druck, Verschiebungen, anderes Papier, andere Oberflächen.
Vielleicht liegt hier auch eine Verbindung zwischen Zeichnung und Druckgrafik. In der Linie und im Abdruck. Im direkten Strich und im vermittelten Bild. Im Festhalten und Loslassen. Im Vertrauen auf die eigene Hand und im Vertrauen auf das Material. Im Moment der Kontrolle und in dem Moment, in dem das Bild sich entzieht. Nah am Blatt zu sein und wieder Abstand zu nehmen. Ein Bild zu denken, zu bearbeiten, zu verlieren, wiederzufinden. Unter Druck, mit Druck und gegen Druck arbeiten.
Hier zeigt sich, was Zeichnung und Druckgrafik gerade für uns bedeutet.
